Jeder von uns soll ein Segen sein

Mit diesen ermutigenden Worten endet das neunteilige Musikwerk „LEBEN“ von Marita Schröder, das am 16. August in der Zerbster Stadthalle sehr erfolgreich uraufgeführt wurde. Es sollte ein ganz besonderer Abend für die etwa 200 Besucher werden, die sich gemeinsam mit Anja und Max auf eine Reise begaben, um den Sinn des Lebens und des Sterbens zu ergründen.

Die junge Frau Anja erfährt, dass sie unheilbar krank ist und bald sterben wird. Nach einer Zeit der Verzweiflung und Trauer versucht sie zusammen mit ihrem Freund Max, Antworten zu finden auf Fragen wie: Bedeutet der Tod auch das Ende des Lebens? Was ist das Geheimnis der Seele? Wie sieht die geistige Welt aus? Welcher Weg führt in die Nähe Gottes? Anja und Max nähern sich der gesuchten Wahrheit Schritt für Schritt und mit Anjas Tod hat sich auch ein Wandel ihrer Lebensauffassung vollzogen.

Das Musikwerk für Chor, drei Solisten und sieben Instrumente ist von einer großen musikalischen Vielfalt. Die zunächst möglicherweise etwas fremd wirkende Kombination von z.B. klassischen Elementen mit moderner Jazzmusik unterstreicht nachdrücklich den Unterschied zwischen der geistigen Welt und einer Gesellschaft die nach Spaß und Zerstreuung dürstet. Im Verlauf des Werkes verschwinden diese musikalischen Gegensätze unmerklich, weil Anja und Max ihren Zugang zur geistigen Welt und damit zu Gott finden.

Es sind in besonderem Maße Sandra Schillert als Anja und Carlo Schröder als Max, die die Zuhörer mühelos in ihren Bann ziehen und die Zeit des gut 80-minütigen Stückes wie im Flug vergehen lassen. Sowohl ihre musikalischen als auch schauspielerischen Darbietungen sind in sich und miteinander wunderbar harmonisch. Die beiden finden Zugang zu den Herzen, was sich auch in dem spontanen Beifall im Anschluss an ihr gefühlvolles Duett zeigte.

Christiane Noltenius (Solo-Sopran) gelingt es, die Zuhörer mit ihrer ausdrucksstarken Interpretation der Heiligen Texte, die aus der geistigen Welt strömen, zu bezaubern.

Auch der Chor, der sich aus fast dreißig Sängerinnen und Sängern zusammensetzt und das beständige, untermalende Element in diesem Musikwerk ist, vollbringt eine bewundernswerte gemeinsame Leistung.

Wenn „LEBEN“ als ein großes Puzzle gesehen wird, dann tragen die Musiker Ute Wentzler (Klavier), Martina Zendeh (Violine), Dr. Frieder Rohn (Cello), Nura Behjad (Flöte) und Hanno Lenk (Gitarre, Trommel) ihrerseits unverzichtbare Teile dazu bei, dass das Werk in seiner Gesamtheit so lebendig, strahlend und vollkommen erscheint. Auch die Bühnengestaltung und die helle Kleidung der Mitwirkenden fügen sich in dieses Erscheinungsbild ein. Dabei sind die farbigen Halstücher – angeordnet in den Farben eines Regenbogens – ein Symbol für Lebensfreude, Fröhlichkeit und vielleicht auch für eine Verbindung zwischen der irdischen und der geistigen Welt.

Die an diesem Abend erstmals ausgestellten berührenden Bilder der Zerbster Malerin Barbara Bake – selbst Chormitglied – zeigen, welche Früchte die intensive Auseinandersetzung mit geistigen Themen hervorbringen kann.

Der offene Umgang mit dem Sterben ist in einer Gesellschaft, die wie die heutige dieses Thema gern tabuisiert, ein schmaler Pfad. Ihn sicher zu gehen gelingt Marita Schröder durch das harmonische Zusammenspiel ihrer Musik, der Texte aus den Bahá’í-Schriften sowie ihrer selbst geschriebenen einfühlsamen Lieder. Eine mögliche Todessehnsucht wird nicht im Geringsten spürbar. Um so eindringlicher ist dafür der Aufruf diese unsere Welt durch nützliches Tun zu veredeln.

Die Uraufführung des Musikwerkes „LEBEN“ zeigt auf wundervolle Weise, was gelebte und praktizierte Einheit aller Mitwirkenden vollbringen kann. Wie viel mehr ist sie als nur die Summe der einzelnen Teile! Es scheint als würden sich ihre Auswirkungen noch potenzieren.

Der Chor „Stimmen der Einheit“ freut sich übrigens auf Sängerinnen und Sänger, die im kommenden Jahr an geplanten Aufführungen teilnehmen wollen! Das Stück kann auch mit Übungs-CDs für jede Stimme ohne zentrale Chorproben einstudiert werden. Bitte melden bei: Marita Schröder (Tel.: 039247/ 5804), Hiltrud Oehlkers (Tel.: 0365/ 4207698) oder Christiane Noltenius (Tel.: 0421/ 624181)

Angela Köchel